Häufige Fragen

„Wir haben mit der Zeit rausgefunden, dass bestimmte Geräte bestimmte typische Fehler haben, z.B. der Wasserzulauf bei Kaffeemaschinen oder die Kabel an Bügeleisen.“ (Schüler, 9. Klasse)

Muss man ein Werk- oder Physiklehrer sein, um so ein Projekt zu starten?

Nein, der Fachbereich spielt keine Rolle.

Es reparieren ja die Schülerinnen und Schüler, Hilfestellung geben erfahrene Reparaturanleiter.

Als Lehrkraft sollte man jedoch Leidenschaft und Überzeugung mitbringen, sich für einen Wandel von der Wegwerfgesellschaft zur verantwortlichen Wertegesellschaft einzusetzen.

Wie hoch ist der Zeitaufwand?

Die Rudolf-Steiner-Schule in München-Schwabing hat im Jahr 2016 die Schüler-Reparaturwerkstatt als klassenübergreifendes Angebot im Wahlpflichtfachbereich für die 9. und 10. Klasse begonnen, als zwölfwöchigen Kurs mit jeweils drei Doppelstunden pro Woche.

Seit dem Schuljahr 2016/2017 wird die Schüler-Reparaturwerkstatt auch in der Ganztagsschule für die Klassen 6 bis 7 als durchgängiger Kurs mit einer Doppelstunde an einem Nachmittag über das ganze Schuljahr angeboten.

Zusätzlich wurde die Schüler-Reparaturwerkstatt auch im Pflichtfach Technologie für die 11. Klasse eingeführt. Hier reparieren jeweils zwölf Jugendliche vier Schulstunden am Stück an einem Tag in der Woche.

Doppelstunden (90 Minuten) sind nach den Praxiserfahrungen unumgänglich, weil das Öffnen des Geräts, die Fehlersuche, evtl. die Ersatzteilbestellung sowie das Aufräumen des Arbeitsplatzes viel Zeit brauchen.

Welcher Raumbedarf / Ausstattung sind erforderlich?

Pro Schüler/in sollte man mit 2 m² Raumbedarf rechnen.

Als Arbeitsplatz benötigt ein Zweierteam einen Tisch von mindestens 140 cm Breite und 60 cm Tiefe mit einer Holzplatte als Schutzauflage.

An den einzelnen Arbeitsplätzen muss die Werkzeugausstattung ausreichend sein. 

Damit das Werkzeug gut erreichbar ist, sollte es an einem am Tisch montierten Lochregal aufgehängt werden.

Zweckmäßig sind kleine Schubladenregale in erreichbarer Nähe für Klein- und Ersatzteile.

Gute Beleuchtung ist erforderlich, möglichst viele Regale sind nützlich, ebenso ausreichend viele Stromanschlüsse.

Wenn schwerpunktmäßig Reparaturen an elektrischen und elektronischen Geräten erfolgen, ist ein separater Messplatz für Funktions- und Endabnahmeprüfungen empfehlenswert.

Zwei an das Internet angeschlossene PCs.

Der Raum muss einen Not-Aus-Schalter besitzen. Dieser lässt sich nachträglich leicht einbauen.

Welches Startkapital ist nötig?

Mit 1.000 Euro konnten wir zunächst das Werkzeug für vier Arbeitsplätze kaufen. Ein Arbeitsplatz steht zwei SchülerInnen zur Verfügung.

Zusätzlich haben wir die Elternschaft gebeten, gebrauchte und nicht mehr benötigte Werkzeuge und Schrauben zu spenden.

Später haben wir zwei weitere Arbeitsplätze für Elektroreparatur eingerichtet und uns einen
3D-Drucker zur Herstellung von nicht erhältlichen Ersatzteilen angeschafft (350 Euro).

Eine Holzwerkstatt ist startbereit, ihre Einrichtung wird aus Spendengeldern finanziert.

Welche Sicherheitsvorkehrungen müssen getroffen werden?

Generell gelten die allgemeinen Unfallverhütungsvorschriften sowie die Erste Hilfe-Vorgaben der Schule.

Die schulische Aufsichtspflicht erfordert zwingend die Anwesenheit einer Lehrkraft.

Werden stromführende Geräte repariert, muss eine Elektrofachkraft für die Prüfung und Endabnahme der Geräte zur Verfügung stehen.

Vor Beginn der Arbeiten sollten die Schülerinnen und Schüler eine erfahrungsbezogene Sicherheitseinweisung bekommen.

Bewährt hat sich ein Schutzadapter um den Netzstecker des zu reparierenden Gerätes, der es den Schülerinnen und Schülern unmöglich macht, defekte Elektrogeräte an die Steckdose anzuschließen. Sie können trotzdem den Durchgangswiderstand prüfen und so einen möglichen Kabelbruch als Defekt entdecken.


Die verschiedenen technischen Schutzmaßnahmen, die die Hersteller von Elektrogeräten getroffen haben, werden erläutert.

Vor Rückgabe eines reparierten Geräts muss eine Sicherheitsprüfung nach DIN VDE 0701 erfolgen mit einem Prüfgerät für den VDE 0701 Test. Bei den Messungen werden der Schutzleiterwiderstand, der Isolationswiderstand und der Ersatzableitstrom gemessen. Im offenen Zustand wird das Gerät auch einer Sichtprüfung unterzogen.

Wie sieht es mit der Haftungsfrage aus?

Grundsätzlich verfügt jede Schule über eine Schulhaftpflichtversicherung.

Wir empfehlen, sich darüber hinaus eingehend mit dem Thema Haftung zu befassen.

Für unsere Reparaturwerkstatt haben wir folgenden Weg gefunden: Die Entbindung von der Haftung (= Verpflichtung zum Schadensersatz) muss mit den Kunden schon bei Übergabe des defekten Gerätes abgesprochen, in einer entsprechenden Rubrik des Annahmebogens festgehalten und durch Unterschrift bestätigt werden.

Welche Schüler-Gruppengröße ist empfehlenswert?

Das hängt zunächst von der Zahl der Arbeitsplätze und der Zahl der Betreuer ab.

Wir haben gute Erfahrungen mit einer Gruppengröße von maximal zwölf SchülerInnen gemacht. Für diese Größe sollten mindestens eine Lehrkraft und ein bis zwei ehrenamtliche Reparaturanleiter zur Verfügung stehen.

Wie findet man ehrenamtliche Reparaturanleiter?

Rund-Mail an die Elternschaft mit dem Aufruf: „Tüftler gesucht“:

Wer hat selbst Interesse und Zeit, wer kennt jemanden, der / die infrage käme (Nachbarschaft, Bekannte, Großeltern).

Auch pensionierte Lehrkräfte aus Berufs- und Gewerbeschulen kommen als zweifach qualifizierte Team-Mitglieder in Frage.

Jüngere Fachleute, die voll im Berufsleben stehen, sind oft interessiert, können dann aber bei bestem Willen die Zeit nicht aufbringen.

Einen Versuch ist es wert, bei Handwerksverbänden, der Innung oder Handwerkskammer nachzufragen, bei Ehrenamtsbörsen (Internet), auf Facebook, dem Nachbarschaftsnetzwerk www.nebenan.de oder der örtlichen Bürgerstiftung.

Oder mal bei einem Repair Café in deiner Nähe nachfragen?

Was ist bei der Begleitung zu beachten?

Nach unserer Erfahrung ist es günstig, wenn je ein ehrenamtlicher Reparaturanleiter vier bis sechs Schülerinnen und Schüler unterstützt.

Der/die Reparaturanleiter/in sollte die Fähigkeit mitbringen, Zurückhaltung zu üben und offen für kreative Ideen der SchülerInnen zu sein.

Die Begleitung sollte die Jugendlichen vor allem darin unterstützen, selbst Lösungen für die Reparatur zu finden.

Unterstützende Fragen der Betreuer nach dem Fehlerbild oder der erwarteten Funktion können bei der Fehlersuche helfen. Nebenbei, und nur am aktuellen Bedarf orientiert, können auch einige Hintergrundinformationen die Zusammenhänge leichter verständlich machen.

Zieht sich ein Reparaturprozess in die Länge, mag es schon mal nötig werden, die Jugendlichen zum Durchhalten zu ermutigen.

 

Nach welchen Kriterien werden Reparaturaufträge angenommen?

Die Arbeiten der Schüler-Reparaturwerkstatt sind Reparatur-Versuche, es kann keine Garantie für einen Erfolg gegeben werden.

Gut eignen sich Haushaltsgeräte wie Küchengeräte, Bügeleisen, Staubsauger, Nähmaschinen und Ventilatoren oder dann im Bereich Holz Spielzeuge, geeignete Möbel, kleine Fahrzeuge u.ä.

Als ungünstig haben sich Geräte erwiesen, bei denen der Fehler im nicht zugänglichen bzw. nicht via Anleitungen oder Internet durchschaubaren elektronischen Bereich liegt, sowie besonders gefahrenträchtige Objekte.

Grundsätzlich ausgeschlossen von der Annahme sollten sein: Objekte mit antiquarischem Wert, Kunstgegenstände, Musikinstrumente, Elektrogeräte mit erhöhtem Gefahrenpotenzial (z.B. Geräte mit Hochspannungsbetrieb), medizinische Hilfsgeräte.

Wo finde ich Reparaturtipps und Möglichkeiten zur Vernetzung?

In den deutschsprachigen Ländern gibt es eine aktive Repair-Café-Community und eine Vernetzung von Reparatur-Initiativen. Man kann über verschiedene Kanäle mit anderen in Repair Cafés Erfahrungen austauschen, (Reparatur-)Tipps geben, Fragen stellen und voneinander lernen.

Konkrete Reparaturtipps sind auch auf der Homepage der Repair Cafés zu finden oder bei ifixit, einem kostenlosen Online-Reparaturhandbuch für alles, geschrieben von allen. Und natürlich die Tipps aus dem Praxisleitfaden.

Auch die Abfallwirtschaftsbetriebe vor Ort kann man ansprechen.

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